Die 10 schönsten Orte in BiH – 3 kennt kaum jemand
Meine persönliche Liste nach 40 Jahren und über 30 evaluierten Destinationen in Bosnien & Herzegowina
Autor: Amela Begić
Warum diese Liste anders ist – und wie ich sie zusammengestellt habe
Ich bin Physiotherapeutin, Spa-Beraterin und lebe in Banja Luka. Seit meiner ersten Reise durch BiH als Kind in den 1980er-Jahren habe ich dieses Land in all seinen Schichten kennengelernt – nicht als Touristin, sondern als jemand, der hier arbeitet, lebt und immer wieder neu entdeckt. Diese Liste ist kein Reiseführer-Abklatsch. Sie ist das Ergebnis von Jahrzehnten auf bosnischen Straßen, Bergpfaden und in Thermalbädern.
Die ersten sieben Orte sind bekannt – manche sogar berühmt. Aber ich erkläre dir, warum sie wirklich lohnen, nicht nur was dort steht. Die letzten drei Orte auf dieser Liste? Die wirst du in keinem deutschen Reiseführer finden. Versprochen.
1. Sarajevo – die Stadt, die dich immer wieder überrascht
Sarajevo ist keine Sehenswürdigkeit. Sarajevo ist ein Gefühl. Am Sonntagmorgen, wenn die Baščaršija noch schläft und nur der Muezzin-Ruf und das Glockenläuten der Kathedrale gleichzeitig durch die Gassen hallen – da begreifst du, warum diese Stadt „Jerusalem Europas" genannt wird. Auf 200 Metern begegnen sich vier Religionen, und niemand macht dabei ein großes Aufheben.
Was mich persönlich jedes Mal wieder zieht: die Trebević-Seilbahn und die verlassene Bobbahn von 1984. Oben, zwischen Graffiti und Waldrauschen, liegt eine der ehrlichsten Perspektiven auf diese Stadt. Nachmittags, wenn das Licht zwischen den Bäumen bricht, ist das Licht auf den Betonresten der Olympiabahn schlicht außergewöhnlich.
Praktisch: Seilbahn ca. 5 KM (≈ 2,50 €) pro Fahrt. Baščaršija fußläufig erreichbar. Beste Reisezeit: Mai–Juni und September–Oktober.
2. Mostar – früh aufstehen lohnt sich wirklich
Der Stari Most ist eine 1566 von Hayruddin erbaute osmanische Bogenbrücke aus Kalkstein – 29 Meter lang, 21 Meter hoch. Das Original wurde 1993 zerstört und 2004 originalgetreu wiederaufgebaut. Heute ist er UNESCO-Weltkulturerbe. Und ja, er ist schön. Aber er ist auch überlaufen.
Mein Tipp, den ich jedem mitgebe: Komm um 8:00 Uhr morgens. Dann gehört die Brücke fast dir allein. Das Licht fällt weich auf den weißen Kalkstein, die Neretva schimmert türkisgrün, und du kannst in Ruhe stehen, ohne von Selfie-Stangen bedrängt zu werden. Mittags ist das Bild ein anderes.
Die Brückenspringer trainieren übrigens ernsthaft – der Sprungklub Ikarus bietet im Sommer Sprünge für Mutige an (ca. 50 €, inklusive Einweisung). Das ist kein Touristenzirkus, das ist Tradition seit 1664.
3. Blagaj – das Kloster an der Quelle
Zwölf Kilometer von Mostar entfernt liegt Blagaj, und ich halte es für eines der schönsten Einzelbilder in ganz BiH. Die Tekija – ein Sufi-Kloster aus dem 17. Jahrhundert – klebt direkt an einem senkrechten Felsabbruch, darunter schießt die Buna aus einem Karstquellsystem hervor. Die Buna ist eines der größten Karst-Quellsysteme Europas: 43 Kubikmeter Wasser pro Sekunde im Frühjahr.
Eintritt in die Tekija: 5 KM (ca. 2,50 €). Schultern und Beine müssen bedeckt sein. Die Restaurants direkt am Wasser servieren frisch gegrillten Forelle – das ist kein Klischee, das ist wirklich gut. Ich war 2024 wieder dort und habe festgestellt: Blagaj zieht inzwischen mehr Tagestouristen als früher. Komm also auch hier früh oder nach 17:00 Uhr.
4. Kravica-Wasserfälle – schwimmen unter Travertin
25 Meter hoch, 120 Meter breit – die Kravica-Wasserfälle sind kein Wasserfall, sondern ein natürlicher Halbkreis aus Travertin-Kaskaden. Im Sommer kannst du direkt darunter schwimmen. Das Wasser ist klar und kühl, selbst bei 35 Grad Außentemperatur.
Eintritt: ca. 10 € in der Hochsaison. Meine Empfehlung: Mai oder September. Im Mai führt die Kravica noch volles Wasser und du teilst den Pool mit deutlich weniger Menschen. Im August kann es hier eng werden.
5. Jajce – der Wasserfall mitten in der Stadt
Jajce ist das einzige mir bekannte Beispiel in Europa, wo ein 22 Meter hoher Wasserfall buchstäblich in der Innenstadt liegt. Der Pliva-Wasserfall entsteht dort, wo der Fluss Pliva in die Vrbas stürzt – direkt neben der alten Festung. Dazu kommen die Mlinčići: eine Reihe traditioneller Holzmühlen am Pliva-See, die seit Jahrhunderten so aussehen wie heute.
Jajce ist nicht überlaufen. Es hat kein großes Tourismusmarketing. Und genau das macht es so angenehm. Plane mindestens einen halben Tag ein – die Festung, die Katakomben und das kleine Tito-Museum (ja, hier wurde 1943 das sozialistische Jugoslawien ausgerufen) sind alle fußläufig erreichbar.
6. Nationalpark Sutjeska – wilder Urwald, höchster Gipfel
Der Nationalpark Sutjeska ist der älteste Nationalpark BiHs und beherbergt den Perućica-Urwald, einen der letzten Urwälder Europas. Bäume bis 50 Meter Höhe, Buchen mit über 300 Jahren – das ist kein Waldspaziergang, das ist ein anderes Zeitgefühl. Der Zutritt ist auf maximal 16 Personen pro Tag mit lizenziertem Guide beschränkt.
Der höchste Gipfel BiHs, der Maglić (2.386 m), liegt ebenfalls hier. Die Besteigung ist technisch moderat (UIAA I–II), dauert aber 6–8 Stunden retour. Wichtiger Hinweis: In Sutjeska und den umliegenden Gebieten gibt es noch Minenfelder aus dem Krieg. Verlasse die markierten Wege niemals. Das ist kein übertriebener Sicherheitshinweis – das ist eine ernste Warnung. Die BHMAC-Karten zeigen verseuchte Gebiete.
7. Trebinje – Wein, Stille und Dubrovnik ohne Dubrovnik-Preise
Trebinje ist die südlichste Stadt BiHs, liegt 30 Kilometer von Dubrovnik entfernt und kostet ein Drittel. Die Altstadt ist kompakt, die Platanen an der Trebišnjica laden zum Sitzen ein, und das Tvrdoš-Kloster produziert einen der besten Rotweine der Region. Blatina vom Weingut Vukoje – kraftvoll, dunkle Frucht, sehr unterschätzt.
Trebinje eignet sich hervorragend als Basis für Tagesausflüge nach Dubrovnik, ohne die dortigen Hotelpreise zu zahlen. Mittelklasse-Hotels kosten hier 35–55 € pro Nacht.
Die 3 Orte, die kaum jemand kennt
Jetzt wird es interessant. Diese drei Orte stehen in keinem deutschen Reiseführer. Ich kenne sie aus eigener Recherche, aus Gesprächen mit Einheimischen und aus meiner Arbeit im Bereich Wellness-Tourismus. Sie sind nicht versteckt – sie sind einfach noch nicht entdeckt worden.
8. Banja Vrućica bei Teslić – Thermalwasser mit echter Heilwirkung
Banja Vrućica liegt im Zentrum BiHs, etwa 60 Kilometer nordöstlich von Banja Luka. Die Thermalquellen hier haben eine Wassertemperatur von 36–52 °C und einen nachgewiesenen Gehalt an Sulfat, Natrium und Kalzium – das ist kein Wellness-Marketing, das sind analysierte Heilwässer, die in der medizinischen Rehabilitation eingesetzt werden.
Als Physiotherapeutin habe ich Banja Vrućica mehrfach professionell evaluiert. Das Spa-Hotel Terme Vrućica bietet medizinische Balneologie an, nicht nur Whirlpools für Touristen. Indikationen: Bewegungsapparat, Rheuma, Atemwegserkrankungen. Übernachtung mit Halbpension und Thermalnutzung ab ca. 60–75 € pro Person und Nacht – für das Leistungsniveau ein außergewöhnliches Preis-Leistungs-Verhältnis.
Ausländische Gäste: fast keine. Hier kurieren hauptsächlich Einheimische und Gäste aus Serbien und Kroatien. Das ist genau der Grund, warum ich es empfehle.
9. Lukomir – das höchstgelegene Dorf BiHs
Lukomir liegt auf 1.469 Metern Höhe auf dem Bjelašnica-Plateau, 36 Kilometer von Sarajevo entfernt. Es ist das höchstgelegene dauerhaft bewohnte Dorf BiHs – und eines der letzten Dörfer, in dem noch Stećci (mittelalterliche Grabsteine, UNESCO-Welterbe) direkt neben bewohnten Häusern stehen.
Im Sommer leben hier noch etwa 20–30 Familien, die Schafe halten und Wolle verarbeiten. Die Frauen tragen traditionelle Tracht, nicht für Touristen, sondern weil es ihre Alltagskleidung ist. Ich war 2023 zum zweiten Mal dort und habe in der kleinen Pension übernachtet – das war eine der ruhigsten Nächte meines Lebens, und der Sternenhimmel auf 1.400 Metern ohne Lichtverschmutzung ist schlicht nicht beschreibbar.
Es gibt eine geführte Tagestour ab Sarajevo (ca. 75 €), aber meine klare Empfehlung: Übernachte dort. Die Pension kostet ca. 25–35 € pro Nacht mit Frühstück. Abends, wenn die Tagestouristen weg sind, gehört das Dorf dir.
Achtung: Die Straße nach Lukomir ist nur mit Allradfahrzeug oder Geländewagen befahrbar. Ab Oktober bis Mai ist das Dorf oft durch Schnee abgeschnitten.
10. Olovo – das vergessene Heilbad im Wald
Olovo liegt 55 Kilometer nordöstlich von Sarajevo im Tal des Flusses Krivaja, umgeben von dichten Buchenwäldern. Der Name bedeutet auf Bosnisch „Blei" – hier wurde im Mittelalter Bergbau betrieben. Heute ist Olovo ein kleines Kurort-Städtchen, das in der sozialistischen Zeit als Erholungsort florierte und nach dem Krieg in Vergessenheit geriet.
Was Olovo besonders macht: die radioaktiven Radonquellen, die medizinisch zur Behandlung von Gelenkerkrankungen und Atemwegsleiden eingesetzt werden. Das klingt zunächst befremdlich – aber Radon-Therapie ist eine anerkannte balneologische Methode, die in Europa vor allem in Bad Gastein (Österreich) und Bad Brambach (Deutschland) praktiziert wird. In Olovo geschieht dasselbe, nur ohne Werbung und zu einem Bruchteil der Kosten.
Das Kurhotel Olovo ist schlicht, die Infrastruktur nicht auf Luxus ausgelegt – aber das medizinische Personal ist ausgebildet, die Anlagen funktionieren, und die Umgebung ist von einer Stille, die du in keinem Fünf-Sterne-Spa kaufen kannst. Ich habe Olovo 2022 erstmals professionell besucht und seitdem in mehreren Wellness-Publikationen darüber geschrieben. Es ist mein persönlicher Tipp für alle, die echte Erholung suchen und keine Instagram-Kulisse.
Praktische Übersicht: Die 10 Orte auf einen Blick
| Ort | Typ | Beste Zeit | Bekanntheitsgrad |
|---|---|---|---|
| Sarajevo | Stadtreise, Kultur | Mai–Okt | ★★★★★ |
| Mostar | Kultur, Architektur | Apr–Jun, Sep | ★★★★★ |
| Blagaj | Natur, Spiritualität | Mai–Okt | ★★★★☆ |
| Kravica | Natur, Baden | Mai–Sep | ★★★★☆ |
| Jajce | Natur, Geschichte | Apr–Okt | ★★★☆☆ |
| Sutjeska NP | Natur, Wandern | Jun–Sep | ★★★☆☆ |
| Trebinje | Wein, Erholung | Apr–Nov | ★★★☆☆ |
| Banja Vrućica | Thermal, Wellness | Ganzjährig | ★★☆☆☆ |
| Lukomir | Dorf, Trekking | Jun–Sep | ★★☆☆☆ |
| Olovo | Kur, Heilbad | Ganzjährig | ★☆☆☆☆ |
FAQ
Welcher Ort in BiH ist am schönsten?
Das hängt davon ab, was du suchst. Für Stadtkultur und Geschichte ist Sarajevo unschlagbar. Für das schönste Einzelbild – eine Brücke, ein Kloster, ein Wasserfall – ist Blagaj mein persönlicher Favorit. Für Natur und Stille: Lukomir oder Sutjeska.
Welche Orte in BiH sind wenig bekannt?
Banja Vrućica (Thermalquellen bei Teslić), Lukomir (höchstgelegenes Dorf BiHs auf dem Bjelašnica-Plateau) und Olovo (Radon-Kurort nordöstlich von Sarajevo) sind außerhalb BiHs praktisch unbekannt – und genau deshalb lohnenswert.
Ist BiH sicher für Touristen?
Ja, grundsätzlich sehr sicher. Die Kriminalitätsrate ist niedrig. Wichtig: In ländlichen Regionen, besonders in Sutjeska, Romanija und entlang ehemaliger Frontlinien, gibt es noch Minenfelder. Markierte Wege niemals verlassen. Die BHMAC-Website bietet aktuelle Karten.
Welche Orte eignen sich für Paare?
Trebinje ist ideal für Paare – romantische Altstadt, guter Wein, entspannte Atmosphäre, Nähe zu Dubrovnik. Mostar zum Sonnenaufgang ist ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis. Für Wellnesskuren zu zweit: Banja Vrućica mit Thermalwasser und medizinischen Anwendungen.
Wie viele Tage brauche ich für die wichtigsten Orte?
Für Sarajevo, Mostar und Blagaj reichen 5–6 Tage als Minimum. Wer auch Jajce, Trebinje und einen der Nationalparks erleben möchte, plant besser 10–14 Tage ein. Die Insidertipps Lukomir und Olovo passen gut als Ergänzung zu einer längeren Sarajevo-Basis.
Wann ist die beste Reisezeit für BiH?
Mai bis Juni und September bis Oktober sind ideal: angenehme Temperaturen, weniger Touristen als im August, Wasserfälle auf gutem Niveau. Im August ist Mostar sehr heiß (35–40 °C) und überlaufen. Für Thermalurlaub und Wintersport ist BiH auch im Winter attraktiv.
Mein Fazit nach 40 Jahren auf bosnischen Straßen
Ich bin seit 1985 in diesem Land unterwegs – zuerst als Kind, dann als Studentin, dann als Therapeutin und Autorin. BiH hat mich nie enttäuscht, aber es hat mich oft überrascht. Die bekanntesten Orte verdienen ihren Ruf. Sarajevo, Mostar, Blagaj – das ist keine Touristenpropaganda, das ist Substanz.
Aber die eigentliche Seele des Landes findet sich in den Orten, die noch keine Schilder auf Englisch haben. In Lukomir, wo eine alte Frau in Tracht Wolle spinnt und dich freundlich anschaut, ohne dich fotografieren zu wollen. In Olovo, wo die Stille im Buchenwald lauter ist als jede Wellness-Musik. In Banja Vrućica, wo das Thermalwasser nach Schwefel riecht und nach zwei Tagen deine Gelenke es dir danken.
Komm nach BiH. Aber komm neugierig. Das Land gibt dir mehr, als du erwartest – wenn du bereit bist, ein bisschen abseits der bekannten Pfade zu schauen.
— Amela Begić, Banja Luka, 2025