Jablaničko Jezero: Lammgrill-Tour entlang der M17
Die besten Restaurants für Jagnjetina am Spit zwischen Jablanica und Konjic
Autor: Amela Begić
Warum die M17 Bosniens wichtigste Grillstraße ist
Ich bin diese Strecke vermutlich mehr als fünfzigmal gefahren. Als Physiotherapeutin, die regelmäßig zwischen Banja Luka und Mostar pendelt, ist die M17 entlang des Jablaničko Jezero mein vertrauter Begleiter. Und jedes Mal — wirklich jedes Mal — hält mich dieser Geruch auf. Holzrauch, Lammfett, das auf glühende Kohlen tropft. Irgendwo zwischen Jablanica und Konjic, am Ufer des smaragdgrünen Stausees, dreht sich ein Spieß.
Die Strecke zwischen Jablanica (ca. 270 m ü. M.) und Konjic (ca. 265 m ü. M.) ist rund 25 Kilometer lang. Sie folgt dem Neretva-Tal und dem Jablaničko Jezero, dem 1955 aufgestauten Stausee, der heute 12 Kilometer lang und bis zu 60 Meter tief ist. Die Kombination aus Seelage, günstiger Lage an der Hauptverbindungsachse Sarajevo–Mostar und einer alten Hirtenkultur hat hier eine Restaurantdichte entstehen lassen, die ihresgleichen sucht.
Jagnjetina sa ražnja — Lamm vom Spieß — ist dabei das absolute Herzstück. Das Tier wird am Morgen aufgespannt, die Glut wird stundenlang gleichmäßig gehalten, und wer mittags oder am frühen Nachmittag ankommt, bekommt das Beste: außen knusprig, innen saftig, mit diesem unverwechselbaren Rauchgeschmack, den kein Backofen der Welt reproduzieren kann.
Was du über Jagnjetina wissen musst — bevor du bestellst
Als jemand, der sich beruflich mit Körper und Ernährung beschäftigt, schätze ich an Jagnjetina besonders ihre Ehrlichkeit. Kein Verstecken hinter Saucen, kein Übergewürzen. Das Fleisch steht für sich. In den Restaurants entlang der M17 stammt das Lamm fast ausnahmslos aus der Region — oft aus dem Hochland um Blidinje oder den Weiden des Prenj-Gebirges. Das schmeckt man.
Ein paar praktische Hinweise, damit du nicht enttäuscht wirst:
- Ankunftszeit: Zwischen 12:00 und 15:00 Uhr ist die Hauptzeit. Wer nach 16:00 kommt, riskiert, dass der Spieß bereits ausverkauft ist — das ist kein Scherz, sondern Alltag.
- Portionsgrößen: Hier wird nach Gewicht verkauft. Ein halbes Kilo pro Person ist eine solide Mahlzeit. Für zwei Personen reicht oft ein Kilogramm, wenn Beilagen dabei sind.
- Beilagen: Standardmäßig gibt es Lepinja (Fladenbrot), rohe Zwiebeln, Ajvar und manchmal frischen Salat. Pommes sind eher die Ausnahme als die Regel — und das ist gut so.
- Preise: Lammfleisch vom Spieß kostet entlang der M17 ca. 20–30 KM pro Kilogramm (Stand 2025, ca. 10–15 €). Vor Ort prüfen, da Preise saisonal variieren können.
- Reservierung: Bei größeren Gruppen (5+ Personen) lohnt es sich, am Vortag anzurufen — viele Betriebe stellen nur eine bestimmte Anzahl Spieße täglich auf.
Die Restaurants entlang der M17 — meine persönlichen Empfehlungen
Ich will ehrlich sein: Es gibt entlang dieser Strecke Dutzende von Lokalen, manche davon eher auf Durchreisende ausgerichtet als auf Qualität. Die folgende Auswahl basiert auf meinen wiederholten Besuchen — nicht auf Hochglanzprospekten.
Zwischen Jablanica und dem Seeabschnitt
Wer aus Richtung Mostar kommt, erreicht Jablanica zuerst. Die Stadt selbst ist vor allem für die zerstörte Eisenbahnbrücke aus dem Zweiten Weltkrieg bekannt — ein Denkmal, das direkt am Ortseingang steht und an Titos Partisanen erinnert. Kulinarisch ist Jablanica der Startpunkt.
Direkt am Ortsrand in Richtung Konjic reihen sich die ersten Grillrestaurants auf. Ich bevorzuge die etwas weiter außerhalb gelegenen Betriebe gegenüber den Lokalen direkt in der Stadtmitte — die Atmosphäre ist ruhiger, die Spieße drehen sich meist schon seit dem frühen Morgen. Ein Lokal, das ich seit Jahren kenne und das seinen Standard gehalten hat, liegt unmittelbar am Seeufer: Man sitzt auf einer überdachten Terrasse, der Blick geht auf das türkisblaue Wasser, und der Geruch des Grills zieht durch die Luft. Mehr braucht es nicht.
Am Seeabschnitt — die schönste Lage
Der mittlere Abschnitt der M17, wo die Straße direkt am Ufer des Jablaničko Jezero entlangführt, ist optisch der eindrucksvollste. Hier wechseln sich Felswände und Seeblicke ab, die Neretva-Zuflüsse speisen den Stausee mit kühlem Bergwasser, und an klaren Tagen spiegeln sich die Berge des Prenj-Massivs (höchster Gipfel: Zelena Glava, 2.155 m) im Wasser.
Genau hier, auf diesem Abschnitt, befinden sich die Restaurants, die ich am häufigsten ansteuere. Die Betriebe sind meist Familienbetriebe, die seit Generationen an diesem Fleck arbeiten. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem älteren Wirt — nennen wir ihn Hasan — der mir erzählte, dass sein Vater in den 1970er Jahren den ersten Spieß hier aufgestellt hat. Heute führt sein Sohn den Betrieb, und die Methode ist dieselbe geblieben: Holzkohle aus Buchenscheiten, kein Gas, kein Elektrogrill.
„Das Lamm braucht Geduld. Drei Stunden mindestens. Wer das nicht versteht, soll lieber Ćevapi machen."
— Hasan, Restaurantbetreiber an der M17 (sinngemäß aus dem Gespräch 2023)
In der Nähe von Konjic — der Geheimtipp Richtung Baščica-Tal
Wer Konjic erreicht, sollte nicht einfach weiterfahren. Die Stadt ist ohnehin einen Stopp wert — der Stari Most von Konjic, eine osmanische Steinbrücke aus dem 17. Jahrhundert, ist zwar nicht so berühmt wie ihr Pendant in Mostar, aber mindestens so fotogen. Und: Wer von Konjic aus ins Baščica-Tal abbiegt (Abzweigung an der Hauptstraße ausgeschildert), findet das Restaurant Baščica, das in der Wissensbasis meines Portals bereits mehrfach erwähnt wird — und das zu Recht.
Hier gibt es nicht nur Lammgrill, sondern auch gegrillte Forellen aus dem klaren Baščica-Bach und — auf Vorbestellung (mindestens einen Tag vorher!) — Gerichte unter der Peka: Fleisch, Kartoffeln und Gemüse werden gemeinsam unter einer gusseisernen Glocke mit Glut bedeckt und mehrere Stunden lang gegart. Das Ergebnis ist das Saftigste, was die bosnische Küche zu bieten hat. Wer das einmal gegessen hat, versteht, warum Bosnien kulinarisch unterschätzt wird.
Praktische Informationen — Tabelle der Strecke
| Abschnitt | Distanz ab Jablanica | Besonderheit | Beste Besuchszeit |
|---|---|---|---|
| Jablanica Ortsrand | 0–3 km | Erste Grillreihe, nahe Kriegsdenkmal | 12:00–14:00 Uhr |
| Seeabschnitt M17 | 5–18 km | Direkter Seeblick, Familienbetriebe | 12:00–15:00 Uhr |
| Konjic Umgebung | 22–25 km | Osmanische Brücke, Tito-Bunker in der Nähe | Mittag + Abend |
| Baščica-Tal (Abzweigung) | ca. 5 km ab Konjic | Forellen + Peka (Vorbestellung nötig) | Mittag |
Was du neben dem Essen nicht verpassen solltest
Die M17 ist mehr als eine Grillstraße. Wer die Augen offen hält, entdeckt eine Landschaft, die in ihrer Dichte an Naturschönheit kaum zu überbieten ist.
- Jablaničko Jezero: Der Stausee entstand 1955 durch den Bau des Wasserkraftwerks Jablanica. Die türkisblaue Farbe des Wassers kommt vom Kalksteinuntergrund — typisch für die dinarischen Karstgewässer. Im Sommer ist das Baden an wenigen Stellen möglich, aber die Strömung kann tückisch sein: Bitte nur an ausgewiesenen Stellen ins Wasser.
- Tito-Bunker Konjic (ARK D-0): Einer der kuriosesten Orte Bosniens. Der unterirdische Atombunker, erbaut zwischen 1953 und 1979 für Tito und den Führungsstab Jugoslawiens, ist heute ein Kunstmuseum und kann besichtigt werden. Geführte Touren sind buchbar — ein absolutes Muss für alle, die Geschichte jenseits von Museen erleben wollen.
- Prenj-Massiv: Wer wandert, findet hier eines der wildesten Gebirge Bosniens. Die Zugänge sind von der M17 aus möglich, aber ohne lokale Ortskenntnisse und gutes Kartenmaterial (z. B. über BHMAC auf Minenfreiheit prüfen) sollte man hier keine Alleingänge unternehmen.
Mein ehrliches Urteil — was funktioniert und was nicht
Ich wäre keine gute Beraterin, wenn ich nur Lobeshymnen sänge. Also hier meine ehrliche Einschätzung nach Dutzenden von Besuchen:
Was wirklich gut ist: Die Qualität des Lammfleisches ist entlang der M17 im Schnitt deutlich besser als in vergleichbaren Touristenrestaurants in Mostar oder Sarajevo. Das liegt an der Frische, an der Tradition und daran, dass die meisten Betriebe keine Laufkundschaft aus Reisegruppen bedienen, sondern Stammgäste aus der Region. Das hält die Standards oben.
Was mich manchmal stört: Der Service ist nicht immer das, was man sich als Westeuropäer gewohnt ist. Keine Speisekarte mit Fotos, kein Englisch beim Personal (in den meisten Fällen), kein WLAN. Wer das als Problem sieht, ist hier falsch. Wer das als Authentizität versteht, ist hier genau richtig.
Saisonalität: Im Winter — also zwischen November und März — sind viele der kleineren Betriebe geschlossen oder haben stark eingeschränkte Öffnungszeiten. Die Hochsaison für die Lammgrill-Tour ist eindeutig April bis Oktober. Im Frühling ist das Lamm übrigens besonders jung und zart — wer kann, sollte diese Zeit bevorzugen.
Parkplatz und Verkehr: Die M17 ist eine stark befahrene Hauptstraße. Das Parken vor den Restaurants ist meist unkompliziert, aber Vorsicht beim Ein- und Ausfahren — der Durchgangsverkehr ist erheblich, vor allem im Sommer.
Praktische Box: Lammgrill-Tour M17 — Fakten auf einen Blick
- Route: Jablanica → Konjic entlang der M17, ca. 25 km
- Fahrtzeit ohne Stopps: ca. 30 Minuten
- Beste Reisezeit: April–Oktober, Ankunft 12:00–14:30 Uhr für frischen Spieß
- Preis Lammfleisch: ca. 20–30 KM/kg (ca. 10–15 €, Stand 2025, vor Ort prüfen)
- Peka-Bestellung: Mindestens 1 Tag vorher im Restaurant Baščica (Abzweigung ab Konjic)
- Anreise: Auto empfohlen, kein sinnvoller ÖPNV-Anschluss entlang der Seeufer-Abschnitte
- Nächste größere Supermärkte: Jablanica (Bingo) und Konjic (Stadtzentrum)
- Währung: Konvertibilna Marka (BAM/KM), 1 € = 1,95583 KM (fest gekoppelt)
- Tipp: Bargeld mitbringen — Kartenzahlung in kleinen Betrieben nicht überall möglich
Mein Fazit nach unzähligen Fahrten auf der M17
Als jemand, der diese Straße seit Kindheitstagen kennt und sie als Erwachsene aus beruflichen wie privaten Gründen immer wieder befährt, sage ich mit voller Überzeugung: Die Lammgrill-Tour entlang des Jablaničko Jezero ist eine der einfachsten und befriedigendsten kulinarischen Erfahrungen, die Bosnien zu bieten hat. Kein Reservierungssystem, kein Michelin-Stern, kein Instagram-Hype — nur Feuer, Fleisch, Seeblick und Menschen, die wissen, was sie tun.
Wer Bosnien verstehen will, muss nicht nur in die Moscheen von Sarajevo oder auf die Brücke von Mostar. Manchmal reicht es, an einem Dienstagnachmittag im April auf einer wackeligen Plastikbank zu sitzen, ein Stück Jagnjetina mit Lepinja in der Hand zu halten und zuzusehen, wie der Rauch über dem Jablaničko Jezero aufsteigt. Das ist Bosnien.