Lammgrill M17 — die 5 besten Adressen

Unterwegs auf Bosniens schönster Panoramastraße zwischen Jablanica und Mostar

Autor: Carolin Keller

Warum die M17 Bosniens kulinarischste Straße ist

Es gibt Straßen, die man fährt, um von A nach B zu kommen. Und es gibt Straßen, für die man extra früher aufbricht, weil man weiß: Hier wird gegessen. Die M17, die sich von Jablanica durch das Neretva-Tal bis nach Mostar schlängelt, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Die Route folgt dem smaragdgrünen Lauf der Neretva, flankiert von Kalksteinhängen, die im Frühsommer noch schneebedeckt sein können, während unten im Tal schon 28 Grad herrschen. Und entlang dieser Strecke hat sich über Jahrzehnte eine Tradition etabliert, die für bosnische Familien so selbstverständlich ist wie für uns der Sonntagsbraten: das Jagnjetina — das Lammgericht vom offenen Feuer.

Wenn du mit dem Mietwagen von Sarajevo Richtung Mostar fährst, passierst du das Jablaničko Jezero, einen langen Stausee, dessen türkisblaues Wasser sich gegen die grauen Felsen behauptet. Kurz hinter dem See beginnt die eigentliche Grill-Zone. Restaurants, die sich kaum von der Straße unterscheiden, bis du den Rauch siehst. Dann weißt du: Hier lang.

Ich war diese Strecke auf meinen vier Bosnien-Reisen insgesamt sechsmal gefahren — einmal sogar nur wegen des Essens, ohne weiteres Ziel. Was ich dabei gelernt habe: Nicht jeder Spieß am Straßenrand ist gleich gut. Es gibt Unterschiede, die man kennen sollte.

Was Jagnjetina sa ražnja wirklich bedeutet

Bevor wir zu den Adressen kommen, ein kurzes Wort zum Gericht selbst — weil es das Verständnis fürs Essen verändert. Jagnjetina sa ražnja heißt wörtlich „Lamm vom Spieß". Klingt simpel, ist es aber nicht.

Das Tier — meist ein Milchlamm unter 15 kg — wird am Morgen aufgespießt und dreht sich dann vier bis sechs Stunden über Buchenholzkohle. Kein Gas, kein Elektromotor in den besseren Restaurants, sondern ein handgekurbelter Spieß, den jemand alle paar Minuten dreht. Das Ergebnis ist eine Kruste, die knackt wie Schweinebraten, und ein Fleisch darunter, das sich fast von selbst löst. Dazu gibt es Brot, rohe Zwiebeln, manchmal Ajvar — und das war's. Mehr braucht es nicht.

Was viele Reisende überrascht: Das Lamm schmeckt hier nicht nach dem, was man aus Deutschland kennt. Kein intensiver „Hammelfleisch-Geruch", kein Wildes. Die Tiere weiden auf Karstwiesen mit Wildkräutern, das gibt dem Fleisch eine Milde, die fast zart wirkt. Dazu kommt die Zubereitung: kein Marinieren, kein Würzen außer Salz. Das Fleisch trägt sich selbst.

Die 5 besten Adressen entlang der M17

1. Restaurant Jablanica — der Klassiker mit Geschichte

Jablanica ist nicht nur der Startpunkt der Grill-Route, sondern auch ein Ort mit Geschichte: Hier zerstörte Tito 1943 die Neretva-Brücke, um den deutschen Truppen zu entkommen — das Wrack liegt bis heute im Flussbett, als Freilichtmuseum. Gleich neben diesem Denkmal reihen sich die ersten Lammgrill-Restaurants auf.

Das Restaurant Jablanica direkt am Seeufer ist das bekannteste. Touristisch? Ja, ein bisschen. Aber zu Recht. Die Lämmer drehen sich hier bereits ab sieben Uhr morgens, sodass zur Mittagszeit das Fleisch auf den Punkt ist. Ich habe hier 2022 mit meinem Mann gesessen, mit Blick auf das Stausee-Panorama und ein halbes Lamm vor uns — für zwei Personen mehr als genug, Preis ca. 25–30 KM pro Person (Stand 2024, vor Reise prüfen).

Was ich ehrlich sagen muss: Das Restaurant ist inzwischen gut bekannt, Reisebusse halten hier. Wer Ruhe sucht, sollte früh kommen oder auf eine der kleineren Adressen ausweichen.

2. Konoba Neretva — ruhiger, lokaler, besser

Etwa 12 Kilometer südlich von Jablanica, kurz vor dem Ort Ostružnica, liegt eine Adresse, die ich erst auf meiner dritten Reise entdeckt habe — weil mir ein Einheimischer in Mostar davon erzählt hat. Konoba Neretva ist das, was man sich unter einem bosnischen Familienrestaurant vorstellt: Plastikstühle, Weinreben als Überdachung, ein älterer Herr am Spieß, der dich anschaut als würdest du ihn beim Schlafen stören.

Das Lamm hier ist — und ich sage das nach vielen Vergleichen — das zarteste auf der ganzen Strecke. Kleinere Portionen, dafür präziser gegart. Dazu gibt es selbstgemachten Käse, den sie einfach so auf den Tisch stellen. Kein Englisch, keine Karte auf Deutsch. Zeig auf den Spieß, streck zwei Finger hoch, und du bekommst zwei Portionen.

Preis: ca. 15–20 KM pro Person. Bargeld mitbringen, Karte wird nicht akzeptiert.

3. Restaurant Bašta — mit Neretva-Terrasse

Kurz vor Konjic, wo die M17 den Fluss mehrfach quert, gibt es eine Handvoll Restaurants mit Terrassen direkt über dem Wasser. Das Restaurant Bašta (bosnisch für „Garten") ist mein persönlicher Favorit für eine längere Mittagspause — nicht wegen des Lammgrills allein, sondern wegen der Kombination: Das Fleisch ist gut, die Terrasse überragt die Neretva um vielleicht drei Meter, und wenn das Wasser im Frühsommer Hochstand hat, spürt man die Gischt.

Hier gibt es neben Jagnjetina auch Peka-Gerichte — Fleisch und Gemüse unter der Ascheglocke, die man allerdings einen Tag vorher bestellen muss. Wer die Route plant, kann also abends anrufen und für den nächsten Mittag reservieren. Lohnt sich.

Öffnungszeiten: täglich ca. 9–22 Uhr (Saisonbetrieb, vor Reise prüfen). Preise: Lammgrill ca. 20–25 KM, Peka für zwei Personen ca. 40–50 KM.

4. Ćevabdžinica Kod Muje — der Geheimtipp der Locals

Ich zögere, diesen Namen überhaupt aufzuschreiben, weil solche Orte schnell ihren Charakter verlieren, wenn sie bekannt werden. Aber: Der Laden verdient es.

Etwa 8 Kilometer nördlich von Mostar, an einer unscheinbaren Biegung der M17, steht ein kleines Gebäude mit einer handgemalten Tafel. Kod Muje — „bei Mujo" — ist eigentlich eine Ćevabdžinica, also ein Grill-Restaurant mit Fokus auf Ćevapi. Aber freitags und samstags dreht sich hier auch ein Lamm. Mujo selbst — ein Mann Mitte 60 mit einem Lachen, das man nicht vergisst — erklärt dir auf Bosnisch, was er macht, und du verstehst trotzdem alles.

Das Besondere: Hier sitzen keine Touristen. Nur Locals aus Mostar und Umgebung, die wissen, wo das echte Essen ist. Kein Schild auf Englisch, keine TripAdvisor-Sticker. Nur ein guter Grill und ein kaltes Pivo dazu.

Wichtig: Nur freitags und samstags Lammgrill, andere Tage Ćevapi. Preis: Lammportion ca. 15 KM. Bargeld.

5. Restaurant Stara Čaršija Mostar-Nord — der städtische Abschluss

Wer die M17 bis nach Mostar fährt und noch Hunger hat — oder wer das Lamm am Abend in entspannter Atmosphäre genießen möchte — dem empfehle ich das Restaurant Stara Čaršija am nördlichen Eingang der Altstadt. Nicht direkt an der M17, aber fußläufig erreichbar, wenn du in Mostar übernachtest.

Das Restaurant kombiniert die Lammgrill-Tradition mit einer gepflegten Terrasse und einer Weinkarte, die tatsächlich Sinn ergibt: Žilavka aus der Herzegowina, die autochthone Weißweinsorte mit dem mineralischen Abgang, passt zum Lamm besser als jeder Rotwein. Das hat mir der Kellner erklärt, und er hatte recht.

Hier ist es etwas teurer als auf der Strecke — ca. 25–35 KM pro Person — aber das Ambiente rechtfertigt es. Reservierung empfohlen im Sommer.

Praktische Infos für die M17-Lammgrill-Tour

Restaurant Lage Preis/Person (ca.) Besonderheit Zahlung
Restaurant Jablanica Jablanica, am Stausee 25–30 KM Blick auf Stausee, historisches Brückenwrack Karte + Bargeld
Konoba Neretva ~12 km südl. Jablanica 15–20 KM Zartestes Lamm, Familienbetrieb Nur Bargeld
Restaurant Bašta Nähe Konjic 20–25 KM (Peka 40–50 KM/2 Pers.) Neretva-Terrasse, Peka auf Vorbestellung Karte + Bargeld
Kod Muje ~8 km nördl. Mostar ~15 KM Nur Fr+Sa Lamm, echte Local-Adresse Nur Bargeld
Stara Čaršija Mostar-Nord Mostar, Altstadt-Nord 25–35 KM Žilavka-Weinkarte, Abendessen Karte + Bargeld

Hinweis: Alle Preise in Konvertibilna Marka (KM/BAM), 1 Euro = 1,95583 KM (fester Kurs). Preise Stand 2024, vor Reise prüfen. Bosnien ist insgesamt ca. 50% günstiger als Deutschland — ein gutes Mittagessen mit Getränk für unter 15 Euro ist hier die Regel, nicht die Ausnahme.

Beste Reisezeit und praktische Hinweise

Die M17 ist ganzjährig befahrbar, aber für die Lammgrill-Route empfehle ich Mai bis Oktober. Im Frühling sind die Terrassen noch ruhig, die Neretva führt Hochwasser und leuchtet türkisgrün, und die Temperaturen sind angenehm. Im Hochsommer (Juli/August) kann es entlang des Tals sehr heiß werden — 35 Grad sind keine Seltenheit. Dann lohnt sich ein früher Start von Sarajevo, damit du zur Mittagszeit bereits am Tisch sitzt.

Im Winter haben viele der kleineren Restaurants geschlossen oder reduzieren ihre Öffnungszeiten. Das Restaurant Jablanica ist verlässlich ganzjährig geöffnet, die anderen Adressen besser vorher anrufen.

Zum Fahren: Die M17 ist eine gut ausgebaute Magistralstraße, keine Gebirgsstraße. Mit einem normalen Mietwagen problemlos zu fahren. Tempolimit außerorts 80 km/h, in Ortschaften 50 km/h. Promillegrenze in Bosnien-Herzegowina: 0,3‰ — wer zum Mittagessen Wein trinkt, sollte das im Kopf behalten.

Was du sonst noch auf der Strecke mitnehmen kannst

Die M17 ist mehr als eine Grill-Route. Wer Zeit hat, sollte zwei Stopps einplanen:

  • Konjic: Kleine Brückenstadt mit einer osmanischen Steinbrücke aus dem 17. Jahrhundert. Und nur wenige Kilometer entfernt liegt der Tito-Bunker ARK D-0 — ein unterirdischer Atombunker aus dem Kalten Krieg, der heute als Kunstgalerie und Museum zugänglich ist. Ein surrealer Kontrast zum Lammgrill.
  • Jablaničko Jezero: Der Stausee selbst lädt zu einem kurzen Halt ein. Das Wasser ist je nach Licht smaragdgrün oder tiefblau, die Berge dahinter noch im Frühsommer schneebedeckt. Ein Fotostopp, der sich lohnt.

Und wer von Mostar aus weiter südwärts fährt, trifft auf Počitelj — das mittelalterliche Festungsdorf direkt an der M17, das ich auf jeder meiner Reisen besucht habe. Früh morgens, wenn die Reisebusse noch nicht da sind, ist es magisch still dort oben.

Mein Fazit nach vier Reisen

Die Lammgrill-Tradition entlang der M17 ist für mich inzwischen fester Bestandteil jeder Bosnien-Reise — nicht als kulinarischer Pflichtpunkt, sondern weil sie etwas zeigt, das ich an diesem Land so schätze: Dass gutes Essen hier keine Inszenierung braucht. Kein Konzept, kein Storytelling auf der Speisekarte, kein Instagram-Setup. Nur ein Tier, ein Feuer, Zeit.

Meine ehrliche Empfehlung: Plane die Fahrt von Sarajevo nach Mostar nicht als Transit, sondern als halben Reisetag. Starte gegen 10 Uhr, halte am Jablaničko Jezero, iss gegen 13 Uhr bei der Konoba Neretva oder am Restaurant Bašta, und komm entspannt und satt in Mostar an. Das ist Bosnien-Urlaub, wie er sein sollte.

„Das Lamm dreht sich seit dem frühen Morgen. Wir setzen uns hin. Niemand fragt, ob wir eine Reservierung haben. Natürlich nicht. Das hier ist kein Restaurant. Das ist ein Versprechen."

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