Tagesausflüge ab Mostar – 8 lohnende Ziele

Von Wasserfällen bis Pilgerstätten: Das Beste rund um Mostar

Autor: Carolin Keller

Warum Mostar die perfekte Ausflugsbasis ist

Als ich im Mai 2024 zum vierten Mal nach Mostar kam, hatte ich endlich Zeit, die Stadt nicht nur als Durchgangsstation zu nutzen, sondern als Ausgangspunkt. Drei Nächte, ein Mietwagen, und plötzlich öffnete sich die Herzegowina wie ein Fächer. Blagaj morgens, Kravica mittags, abends zurück zur Brücke – das ist kein Stress, das ist echter Urlaub.

Mostar liegt geografisch fast ideal: Die Neretva-Ebene verzweigt sich nach allen Seiten, Straßen sind gut ausgebaut, und die meisten Highlights liegen zwischen 12 und 90 Kilometern entfernt. Kein Wunder, dass immer mehr Paare und Familien Mostar als Zentrum einer Herzegowina-Woche wählen, statt täglich das Hotel zu wechseln.

Eines vorab: Für alle 8 Ziele empfehle ich einen Mietwagen. Busse gibt es zwar nach Blagaj und Međugorje, aber die Flexibilität – vor allem bei Kravica oder Počitelj – ist mit eigenem Fahrzeug unschlagbar. Wer kein Auto mieten möchte, findet in Mostar zuverlässige Fahrer und Tagestouren, die gleich mehrere Ziele kombinieren.

1. Blagaj – Derwischkloster an der Karstquelle

Blagaj ist mein persönlicher Favorit – und das sage ich nach vier Reisen ohne Zögern. Das Derwischkloster Tekija, gebaut im 17. Jahrhundert direkt an der Buna-Quelle, gehört zu den stillen Wundern der Herzegowina. Die Buna ist eine der größten Karstquellen Europas: Rund 43 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schießen hier aus dem Fels – türkisblau, eiskalt, lautlos mächtig.

Der Eintritt in die Tekija kostet 5 KM (ca. 2,50 €). Drinnen ist es kühl und ruhig, die hölzernen Gebetsnischen sind original erhalten. Draußen, direkt am Fluss, sitzen drei Restaurants, die frische Forelle servieren. Ich rate: Früh fahren, gegen 8:30 Uhr ist Blagaj noch leer. Um 11 Uhr stehen Reisebusse.

„Als ich 2024 das erste Mal vor der Tekija in Blagaj stand, dachte ich: Das kenne ich doch aus einem Bildband. Dann merkte ich – nein, das ist einfach so schön."

  • Entfernung ab Mostar: ca. 12 km, 20 Minuten
  • Eintritt Tekija: 5 KM
  • Beste Zeit: Morgens, ganzjährig
  • Tipp: Kombinierbar mit Počitelj am selben Tag

2. Kravica – Bosniens schönster Badefall

Kravica ist kein Geheimtipp mehr – und das ist auch in Ordnung, denn wer Kravica im Juli um 10 Uhr morgens erlebt, versteht trotzdem sofort, warum alle kommen. Der Wasserfallkomplex ist 25 Meter hoch und 120 Meter breit, das Wasser stürzt in ein natürliches Becken, das zum Schwimmen freigegeben ist. Das Grün des Mooses, das Weiß des Wassers, das Türkis des Beckens – das ist kein Filter, das ist echt.

Der Eintritt kostet in der Hochsaison 10 €. Inklusive Parkplatz, Toiletten, kleinen Restaurants. Im Mai oder September ist es deutlich ruhiger, das Wasser führt mehr, und die Eintrittspreise sind niedriger. Im Winter ist Kravica übrigens auch sehenswert – dann ohne Badegäste, dafür mit vollem Wasserstand.

Mein ehrlicher Hinweis: Im August kann es voll werden wie ein Freibad. Wer das nicht mag, fährt entweder früh morgens hin oder wählt die Schulter-Saison. Das Schwimmen direkt unter dem Wasserfall ist dennoch ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte.

  • Entfernung ab Mostar: ca. 40 km, 45 Minuten
  • Eintritt: 10 € Hochsaison, günstiger im Frühjahr/Herbst
  • Beste Zeit: Mai–Juni oder September
  • Tipp: Kombination mit Međugorje oder Počitelj möglich

3. Počitelj – die Festungsstadt aus dem Bilderbuch

Počitelj ist eine der am besten erhaltenen osmanischen Festungsstädte der Herzegowina – und trotzdem weitgehend unbekannt bei deutschen Reisenden. Das Dorf klettert einen steilen Felsrücken hinauf, oben thront ein Bergfried aus dem 15. Jahrhundert, unten liegt die Hadži-Alija-Moschee mit Brunnenanlage. Dazwischen: Kopfsteinpflaster, Feigenbäume, Stille.

Der Aufstieg zum Turm dauert ca. 15–20 Minuten und ist steil, aber machbar. Die Aussicht über die Neretva-Ebene ist die Belohnung. Počitelj liegt direkt an der Straße nach Kravica, also ideal als Kombination: Počitelj am Morgen, Kravica am Nachmittag.

Eintritt: kostenlos (Stand 2024). Parkplatz am Ortseingang, von dort zu Fuß.

  • Entfernung ab Mostar: ca. 30 km, 35 Minuten
  • Eintritt: kostenlos
  • Beste Zeit: Morgens, ganzjährig
  • Hinweis: Festes Schuhwerk empfohlen für den Aufstieg

4. Međugorje – Pilgerort mit überraschendem Flair

Ich gebe zu: Međugorje stand nicht auf meiner Liste, als ich 2022 in der Gegend war. Mein Fahrer schlug es vor, ich sagte widerwillig ja. Und war überrascht. Nicht wegen der religiösen Dimension – die ist natürlich dominant –, sondern wegen der Atmosphäre. Hunderttausende Pilger aus aller Welt kommen hierher, weil seit 1981 sechs Jugendliche Marienerscheinungen meldeten. Ob man das glaubt oder nicht: Der Ort hat eine eigentümliche Ruhe.

Der Križevac-Hügel (520 m) lässt sich in etwa 45 Minuten besteigen. Oben steht ein großes Kreuz, der Blick über die Herzegowina-Ebene ist weit und klar. Die Restaurants rund um die Kirche sind touristisch, aber die lokale Küche – Peka, Lamm, Žilavka-Wein – ist gut. Wer Weinregion sucht: Hier beginnt das Herz der herzegowinischen Weinbaugebiete.

  • Entfernung ab Mostar: ca. 25 km, 30 Minuten
  • Eintritt: kostenlos
  • Beste Zeit: Unter der Woche, früh morgens
  • Tipp: Kombination mit Kravica oder Blagaj am selben Tag

5. Stolac – die vergessene Bronzezeit-Stadt

Stolac ist das Ziel, das ich am stärksten unterschätzt hatte. Die kleine Stadt, 60 Kilometer östlich von Mostar, hat eine der längsten Besiedlungsgeschichten der gesamten Region: Die Badanj-Höhle in der Nähe beherbergt Felszeichnungen aus der Altsteinzeit, rund 16.000 Jahre alt. Die mittelalterliche Festung Vidoški thront über der Bregava, osmanische Häuser säumen das Flussufer.

Was Stolac besonders macht: Es ist authentisch. Kein Touristenrummel, kein Souvenirladen alle zehn Meter. Die Čardak-Brücke über die Bregava ist ein kleines Juwel. Das Stadtbild trägt noch die Narben des Krieges – aber auch den Willen zum Wiederaufbau.

In der Nähe liegen außerdem die Stećci-Nekropolen bei Radimlja – mittelalterliche Grabsteine, die seit 2016 UNESCO-Welterbe sind. Wer sich für Kulturgeschichte interessiert, sollte hier mindestens zwei Stunden einplanen.

  • Entfernung ab Mostar: ca. 60 km, 55 Minuten
  • Eintritt Radimlja-Nekropole: 2 KM (ca. 1 €)
  • Beste Zeit: Frühjahr oder Herbst
  • Tipp: Kombination mit Trebinje möglich (weitere 40 km)

6. Trebinje – Wein, Altstadt und Kloster

Trebinje ist die südlichste Stadt Bosnien-Herzegowinas und liegt nur 30 Kilometer von Dubrovnik entfernt. Das klingt touristisch, ist es aber erstaunlich wenig. Die Altstadt ist kompakt, die Platanen am Trebišnjica-Fluss spenden Schatten, und das Weingut Tvrdoš – direkt im gleichnamigen Kloster – schenkt einen der besten Rotweine der Region aus: den Vranac, kräftig, mit dunkler Frucht.

Ich war 2024 mit meinem Partner dort, wir haben an einem Dienstagnachmittag die Altstadt für uns allein gehabt. Das Kloster Tvrdoš liegt drei Kilometer außerhalb, die Mönche verkaufen Wein und Schnaps direkt ab Hof. Die Hercegovačka Gračanica-Kirche auf dem Hügel über der Stadt bietet einen der schönsten Ausblicke der ganzen Herzegowina – besonders zur goldenen Stunde.

  • Entfernung ab Mostar: ca. 90 km, 80 Minuten
  • Eintritt Altstadt/Kirche: kostenlos
  • Weingut Tvrdoš: Verkostung ab ca. 5 €
  • Beste Zeit: Frühjahr und Herbst; Sommer sehr heiß (35–40°C)

7. Jablaničko jezero – Stausee mit Panorama

Der Jablanica-Stausee liegt auf dem Weg nach Sarajevo, rund 45 Kilometer nördlich von Mostar. Er ist kein klassisches Ausflugsziel, aber ein sehr entspanntes: Die Ufer sind grün, das Wasser glänzt smaragdfarben, und das kleine Museum in Jablanica erinnert an den legendären Partisanen-Überfall auf der Neretva-Brücke 1943 – eine der bemerkenswertesten Militäroperationen des Zweiten Weltkriegs auf dem Balkan.

Das Restaurant direkt am See serviert gegrillte Forelle und Lamm. Wer die Fahrt nach Sarajevo plant, macht hier eine wunderbare Mittagspause. Wer einfach Ruhe sucht, kann am Ufer sitzen und nichts tun. Das ist auch erlaubt.

  • Entfernung ab Mostar: ca. 45 km, 45 Minuten
  • Eintritt Museum Jablanica: ca. 3 KM
  • Beste Zeit: Mai–Oktober
  • Tipp: Ideal als Zwischenstopp auf dem Weg nach Sarajevo

8. Hutovo Blato – Vogelparadies im Sumpfland

Hutovo Blato ist das unbekannteste Ziel dieser Liste – und vielleicht das überraschendste. Das Naturschutzgebiet, rund 30 Kilometer südwestlich von Mostar, ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete des westlichen Balkans. Über 240 Vogelarten wurden hier gezählt, darunter Seeadler, Graureiher und Purpurreiher. Im Winter rasten hier Zehntausende Zugvögel.

Bootstouren durch die Kanäle dauern etwa eine Stunde, Kanus können ausgeliehen werden. Der Eintritt inklusive Bootsfahrt kostet ca. 15–20 KM. Wer kein Vogelbeobachter ist: Die Landschaft allein – flaches Wasser, Schilf, Stille – hat etwas Meditatives. Ein idealer Kontrast zu den historischen Städten der Region.

  • Entfernung ab Mostar: ca. 30 km, 35 Minuten
  • Eintritt + Bootsfahrt: ca. 15–20 KM (8–10 €)
  • Beste Zeit: Oktober–März für Zugvögel; Mai–September für Kanu
  • Tipp: Fernglas mitnehmen!

Praktische Übersicht: Alle 8 Ziele auf einen Blick

Ziel Entfernung Fahrzeit Eintritt (ca.) Beste Saison
Blagaj / Tekija 12 km 20 min 5 KM ganzjährig
Kravica Wasserfall 40 km 45 min 10 € Mai–Sep
Počitelj 30 km 35 min kostenlos ganzjährig
Međugorje 25 km 30 min kostenlos ganzjährig
Stolac + Radimlja 60 km 55 min 2 KM Frühjahr/Herbst
Trebinje 90 km 80 min kostenlos Frühjahr/Herbst
Jablaničko jezero 45 km 45 min 3 KM Museum Mai–Okt
Hutovo Blato 30 km 35 min 15–20 KM Okt–März

Meine empfohlenen Tages-Kombinationen

Nicht alle 8 Ziele lassen sich einzeln besuchen, ohne das Gefühl zu haben, durch die Herzegowina zu hetzen. Hier sind meine bewährten Kombinations-Routen:

Kombination 1: Klassik-Tag (für jeden geeignet)

Blagaj → Počitelj → Kravica — Morgens Tekija, mittags Festungsstadt, nachmittags Wasserfall und Baden. Das ist der perfekte Herzegowina-Tag, und er funktioniert für Paare genauso wie für Familien.

Kombination 2: Kultur & Wein

Stolac → Trebinje → Tvrdoš-Kloster — Für alle, die Geschichte und Genuss verbinden wollen. Früh starten, mittags in Stolac, nachmittags Trebinje und Weinprobe. Abends zurück nach Mostar oder Übernachtung in Trebinje.

Kombination 3: Natur & Stille

Hutovo Blato → Jablaničko jezero — Für ruhige Tage ohne Massentourismus. Morgens Vogelbeobachtung im Sumpfland, mittags Forelle am Stausee. Ideal im Frühjahr oder Herbst.

FAQ – Häufige Fragen zu Tagesausflügen ab Mostar

Brauche ich für die Ausflüge ein Auto?

Für die meisten Ziele ja. Blagaj und Međugorje sind auch per Bus oder Taxi erreichbar, aber ein Mietwagen gibt dir die Freiheit, mehrere Ziele zu kombinieren und selbst zu entscheiden, wann du wo bist. Mietwagen in Mostar kosten ab ca. 30–40 € pro Tag.

Welches Ziel lohnt sich am meisten für einen halben Tag?

Blagaj. Hin- und Rückfahrt plus Besichtigung und Mittagessen am Fluss: alles in 3–4 Stunden. Perfekt für einen entspannten Vormittag.

Ist Kravica im Sommer zu überfüllt?

Im Juli und August kann es voll werden, vor allem am Wochenende. Wer früh startet (vor 9 Uhr), hat noch Ruhe. Alternativ: Mai oder September – dann ist das Wasser noch kühl genug zum Schwimmen und die Anlage deutlich leerer.

Kann ich Trebinje als Tagesausflug machen?

Ja, aber es ist ein langer Tag. 90 Kilometer, rund 80 Minuten Fahrzeit. Wer die Strecke auf sich nimmt, sollte mindestens 4–5 Stunden vor Ort einplanen. Eine Übernachtung in Trebinje lohnt sich ebenfalls – die Altstadt am Abend ist wunderschön.

Sind die Straßen gut befahrbar?

Die Hauptstraßen zwischen Mostar und allen genannten Zielen sind asphaltiert und gut befahrbar. Zu Hutovo Blato und Stolac gibt es kurze Abschnitte mit älterem Belag, aber nichts, was ein normales Auto nicht schafft. Kein Geländewagen nötig.

Welche Ziele sind auch im Winter sehenswert?

Blagaj, Počitelj und Trebinje funktionieren das ganze Jahr. Hutovo Blato ist im Winter sogar besonders empfehlenswert wegen der Zugvögel. Kravica ist im Winter schön, aber kein Badebetrieb. Jablaničko jezero ist ganzjährig, aber im Winter weniger einladend.

Mein Fazit nach 4 Reisen in die Herzegowina

Mostar ist der perfekte Anker für eine Herzegowina-Woche – und ich sage das nach vier Reisen mit echter Überzeugung. Die Dichte an lohnenden Ausflugszielen in einem Umkreis von 90 Kilometern ist bemerkenswert. Was mich immer wieder überrascht: Wie unterschiedlich diese Ziele sind. Derwischkloster, Wasserfall, Pilgerort, Bronzezeit-Nekropole, Weingut, Vogelreservat – das ist kein generisches Sightseeing-Programm, das ist eine echte Bandbreite.

Mein persönlicher Lieblingstag aus 2024: Blagaj am frühen Morgen, Počitelj gegen Mittag, Kravica am Nachmittag. Abends zurück nach Mostar, Forelle im Restaurant Hindin Han direkt am Neretva-Ufer. Das war einer der schönsten Urlaubstage, die ich je hatte – und ich schreibe das seit 16 Jahren für Magazine.

Wer Bosnien & Herzegowina noch nicht kennt: Dieser Teil des Landes zeigt dir, was Reisen jenseits der ausgetretenen Pfade bedeutet. Ohne Hardcore-Adventure, ohne Backpacker-Stress. Einfach gut.

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